"Es tönt, als käme der Klang aus den Felswänden, von den Bergspitzen herab. Als würde er sanft über die
Gletscher rollen, sich durch Mulden schlängeln, hinter Kreten verschwinden und wieder erscheinen, nur um sich dann, ohne Aufhebens, über dem See auszubreiten."
Annette Marti, Journalistin
Das Echo ist ein natürliches Klangphänomen, das entsteht, wenn Schallwellen auf eine Oberfläche treffen und zurückgeworfen werden. Man findet Echos häufig in Gebirgen, Tälern oder grossen leeren Räumen, wo Schall gut reflektiert werden kann.
Im Gebirge ist das Echo ein faszinierendes Erlebnis. Wenn der Schall von den steilen Felsen und Bergen reflektiert wird, kann man oft den Klang des eigenen Rufs mehrfach zurückhören — in
unterschiedlichen Abständen und Lautstärken. Diese natürliche Akustik entsteht durch die besonderen Bedingungen in den Bergen:
Steile Wände: Felsen und Klippen wirken wie natürliche Lautsprecher, die den Schall zurückwerfen.
Weite Räume: In den offenen Tälern und Schluchten kann sich der Klang leichter ausbreiten.
Klare Bergseen: Stilles Wasser trägt den Schall und kann das Echo verstärken.
Hochalpine Luft: Die dünnere Luft in den Höhen trägt ebenfalls zur Klarheit des Echos bei.
Während das Echo als klare Wiederholung eines Schalls wahrgenommen wird, ist Hall eine diffuse Reflexion, die den Klang verlängert und ihm mehr Tiefe verleiht. In Bergtälern mit Mulden und schroffen Felswänden, kann beides gleichzeitig gehört, beziehungsweise erlebt werden.
Das Phänomen ist nicht nur beeindruckend, sondern kann auch etwas Mystisches verleihen, vor allem in der Stille der Natur.
Das Alphorn ist ein wunderbares Instrument um die Klanglandschaften der Berge und das Naturphänomen des Echos zu erkunden. Es liegt sozusagen in den Genen dieses Instruments.
Es ist ein Naturhorn und will in der Natur gespielt werden. Der Klang will wandern, sich verbreiten und braucht Nahrung. Nahrung in Form von Talkesseln, Mulden, Schluchten und lichten Wäldern. So ergibt sich eine magisch anmutende Ressonanz. Die Klänge vermischen sich und beten sich in die Landschaft ein. Der Musizierende integriert sich und wird eins mit den Geräuschen und Klängen der Natur. In einer solchen klanglichen Umgebung wiederspiegelt sich die Seele des Alphorns.
Bei diesem Projekt werden verschiedene Klangorte im Berner Oberland ausfindig gemacht, erfasst sowie mit dem Alphorn und weiteren Naturhörner bespielt und aus unterschiedlichen Perspektiven klanglich erkundet.